22.11.2011 Kirchliche Umweltverantwortliche in Graz appellieren an Politik und an Bürger, den Autoverkehr einzudämmen
Graz-Wien (KAP) "Klagen und Husten ist zuwenig": Das hat Hemma Opis-Pieber, Umweltreferentin der Diözese Graz-Seckau angesichts der derzeit österreichweit hohen Feinstaubbelastung betont. Zulässige EU-Grenzwerte wurden seit Beginn der laufenden Hochdruckperiode mehrfach überschritten. Auch Michaela Ziegler von der ökumenisch getragenen "Initiative Autofasten" hat am Dienstag gegenüber "Kathpress" empört auf die gesundheitsschädigende Entwicklung reagiert: "Uns bleibt die Luft weg!" Da die verantwortlichen Politiker bisher säumig seien, "müssen wir Bürger und Bürgerinnen unbedingt etwas tun" und statt den Feinstaub produzierenden Autoverkehr zu verdichten auf "Öffis" oder Fahrrad umsteigen oder zu Fuß gehen, forderte Ziegler.
Auch Hemma Opis-Pieber plädierte für "Plan B" bei der Mobilität: "Den Autoschlüssel an das Schlüsselbrett hängen ist gar nicht so schwer." Alternativen zum Individualverkehr seien gerade in der momentanen Situation gefragt. "Wenn alle mitmachen, die grundsätzlich gerne atmen, ist uns allen geholfen", so die Grazer Umweltreferentin.
Die ökumenische Initiative "Autofasten - Heilsam in Bewegung kommen" versucht schon seit 2005, den Österreichern Alternativen zum Autofahren schmackhaft zu machen. Und das mit zunehmendem Erfolg, wie die steigenden Teilnehmerzahlen der letzten Jahre beweisen. "Unabhängig vom positiven Beitrag zur Luftsituation berichten viele von einer Steigerung ihrer Lebensqualität durch mehr Bewegung und weniger Stress", so Opis-Pieber.
Umweltminister "nicht zuständig"
Experten warnen seit Tagen vor der hohen Feinstaubkonzentration in einigen Regionen Österreichs. Vor allem in den Ballungsgebieten Nord- und Ostösterreichs erreichen die Werte das bis zu Dreifache des EU-Grenzwertes von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter. Umweltminister Nikolaus Berlakovich sind jedoch die Hände gebunden, teilte er am Dienstag im Ö1-"Morgenjournal" mit. Er sei in diesem Fall "nicht zuständig". Konkrete Maßnahmen gegen den Feinstaub falle in die Kompetenz der Bundesländer, der Bund habe mit dem "Immissionsschutzgesetz Luft" lediglich Rahmenbedingungen geschaffen. Dieses Gesetz verglich der Umweltminister mit einem Werkzeugkoffer: Die Bundesländer müssen daraus geeignete Maßnahmen wie Tempolimits, Fahrverbote oder reduzierte Winterdienste nehmen. "Hier müssen die Bundesländer einfach konsequenter sein", ließ Berlakovich wissen.
Robert Mitscha-Eibl (Kathpress)
Foto: Autofasten
