Teil 4: Unsere Gesundheit
Ob Fleisch gesund oder doch nicht gesund ist, ist überraschend vieldiskutiert. Überraschend deshalb, weil Vegetarier(innen) in großangelegte Vergleichsstudien mit Fleischesser(innen) regelmäßig besser abschneiden, siehe Kasten. In vielen dieser Studien werden zudem andere Einflussfaktoren auf die Gesundheit, wie Rauchen, Alkoholkonsum, Sportausübung, Alter, Geschlecht und sozialer Status berücksichtigt und statistisch aus dem Ergebnis herausgerechnet. Speziell Herz-Kreislauferkrankungen, verschiedenen Formen von Diabetes und Krebs und viele andere Zivilisationskrankheiten werden mit Fleischkonsum in Verbindung gebracht. Diese vergleichenden Studien wurden vorwiegend in Europa und den USA gemacht, gelten also zumindest für Wohlstandsländer wie Österreich.
Der (hohe) Konsum tierischer Lebensmittel wird mit folgenden Krankheiten in Zusammenhang gebracht:
- Herz-/Kreislauferkrankungen (Oxford Studies, 7 Tage Adventistenstudie, Studien von ADA, Uni Gießen, Bundesgesundheitsamt Berlin, u.v.m.)
- Dickdarmkrebs (American Cancer Society, Univ. Oxford, Univ. San Diego, Krebsforschungszentrum Heidelberg), Brustkrebs (Harvard Medical School), Prostatakrebs (PCRM, Washington DC), Magenkrebs (EPIC)
- Osteoporose (!) (UC San Francisco, USDA-ARS)
- Multiple Sklerose (CHRU Grenoble)
- Rheumatoide Arthritis (UUH Oslo)
Links zu Studien http://futurefood.org/globalbenefits/health_de.php |
Zudem sind auch die größeren weltweiten Seuchen der letzten Jahrzehnte, die sog. Pandemien, wie die Vogelgrippe, Schweinegrippe, EHEC, BSE direkt oder indirekt aus der Massentierhaltung entstanden: Kein Wunder, leben dort doch: Milliarden Lebewesen dichtgedrängt in katastrophaler Haltung, was das Immunsystem der Tiere schwächt und Übertragungen von Krankheiten fördert. Wir wissen nicht, welche Pandemien wir uns in Zukunft in der Massentierhaltung heranzüchten, und ob und wann eine dabei sein wird, die auch beim Menschen zu Massensterben führt. Vielleicht passiert das morgen, vielleicht aber auch die nächsten hundert Jahre nicht. Ähnlich verhält es sich mit den Antibiotikaresistenzen aus der Massentierhaltung durch den massiven Einsatz von Antibiotika dort. Alles ein Spiel mit dem Feuer.
Aber auch hier und jetzt haben Tierprodukte diverse Auswirkungen auf unsere Gesundheit: Bakterielle Lebensmittelvergiftungen (mit Salmonellen, Campylobacter, Staphylokokken oder E. coli beispielsweise) sind zumeist auf Tierprodukte zurückzuführen, ist Ihnen das schon mal aufgefallen?
All die genannten Gefahren können durch eine vegetarische oder vegane Ernährung vermieden oder zumindest stark reduziert werden. Zudem bekommt unser Körper dann weit weniger von einigen schädlichen Inhaltsstoffen der Nahrung ab, wie Nahrungscholesterin, Arachidonsäure, Purine, gesättigte Fettsäuren, aber auch freie Radikale (Stichwort oxidativer Stress). Speziell eine vegane Ernährung reduziert die Zufuhr dieser für den Körper belastenden Stoffe.
Und wenn der Obst- und Gemüsenanteil, sowie der Rohkost- und Vollkornanteil in der Nahrung hoch ist, liefert eine vegetarische oder vegane Ernährung zudem noch ein Mehr an „guten" Inhaltsstoffen, also ein Plus an den Vitaminen C und E, an Ballaststoffen sowie an den sogenannten sekundären Pflanzenstoffen, die antioxidativ, antibakteriell oder auch entzündungshemmend wirken und sogar die Bildung von Krebs hemmen können.
Trotz der massiven genannten Vorteile kann man sich natürlich auch vegetarisch und vegan schlecht und mangelhaft ernähren. Ein paar gute Tipps möchte ich Ihnen also nicht vorenthalten: Die Kombination verschiedener pflanzlicher Proteinquellen wie Nüsse, Getreide oder Hülsenfrüchte hilft für eine optimale Eiweißversorgung mit allen essentiellen Aminosäuren. Mineralstoffe wie Kalzium, Eisen, Zink sind interessant. Speziell bei veganer Ernährung sollte auf die Zufuhr von Vitamine B12 geachtet werden, z.B. durch Nahrungsergänzung oder Lebensmittel, in denen B12 zugesetzt ist. Zudem sollten alle Menschen in unseren Breiten auch auf ihr Vitamin D achten, letzteres speziell im Winter bei mangelndem Sonnenlicht, wenn wir auf die Zufuhr über die Nahrung angewiesen sind. Leinöl liefert die Omega-3-Fettsäuren Alpha-Linolensäure, und sollte am Speiseplan nicht fehlen, es ist jedoch nicht zum Erhitzen geeignet.
Im Rahmen einer Gesundheitsvorsorge-Untersuchung kann man in Österreich einmal pro Jahr einen kostenlosen Bluttest machen. Interessante Werte speziell für vegetarisch und vegan lebende Menschen sind dabei die Vitamine B12, D und Folsäure, sowie Kalzium, Eisen, der Eisenspeicher Ferritin und Zink, und des weiteren Homocystein (leider derzeit noch kostenpflichtig) und das HDL/LDL-Verhältnis. Sie denken jetzt vielleicht: „Oh, noch ein Termin mehr bei meinem Hausarzt!", aber vielleicht ersparen Sie sich damit mittelfristig Ihre anderen Arzttermine. Bei mir selbst ist das so, ich besuche meinen Hausarzt längst schon nur noch einmal jährlich - zur Gesundheitsvorsorge-Untersuchung.
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