Die Schöpfung brennt – und wir dürfen nicht wegsehen!
Gemeinsame Erklärung der Katholischen Kirche Kärnten und der Evangelischen Kirche Kärnten/Osttirol

Die Bilder der Brände in Europa erschüttern uns. Menschen verlieren ihr Zuhause, ihre Existenz und ihre Sicherheit. Hitze, Dürre, Wassermangel und extreme Wetterereignisse sind längst auch bei uns in Kärnten angekommen. Gerade jene, die sich nur schwer gegen die Hitze schützen können, fragen sich, wie sie unter den Bedingungen des Klimawandels in Zukunft weiterleben sollen.
Wir dürfen an dieser Sorge nicht vorbeisehen.
Wir nehmen die Erkenntnisse der Klimawissenschaften ernst. Der Klimawandel ist keine Frage von Meinung oder Weltanschauung. Er folgt den Gesetzen der Physik. Über die Physik des Klimawandels kann man nicht abstimmen. Über unsere Antwort darauf schon.
Als Christinnen und Christen glauben wir an Gott als Schöpfer allen Lebens. Die Erde ist uns anvertraut, nicht ausgeliefert. Ihre Bewahrung gehört deshalb zum Kern unseres Glaubens: aus Dankbarkeit für die Schöpfung, aus Verantwortung für das Leben und aus Liebe zu den kommenden Generationen.
In einem Interview über die Herausforderungen der Kirche sagte die evangelische Bischöfin Cornelia Richter: „Angst ist kein guter Ratgeber.“ Ein Gedanke, der über die kirchliche Situation weit hinausweist. Ängste und Sorgen verdienen es, ernst genommen und gehört zu werden. Aber sie sollten nicht das letzte Wort haben. Wir danken allen Menschen in Kärnten, die sich für Klimaschutz und den umfassenden Schutz unserer Lebensgrundlagen einsetzen. Ihr Engagement zeigt: Veränderung ist möglich. Es braucht Menschen, die nicht wegschauen, sondern anpacken.
Doch es braucht auch politische Entschlossenheit. Es muss Schluss sein mit dem Verdrängen, Verharmlosen und Aufschieben der Klimakrise. Wir brauchen wirksame Klimaschutzgesetze und verlässliche politische Rahmenbedingungen, die nachhaltiges (Land-)Wirtschaften ermöglichen und zugleich soziale Gerechtigkeit sichern.
Eine konsequente Energiewende ist unverzichtbar: weg von Öl und Gas, hin zu Energiesparen, Effizienz und erneuerbaren Energien. Denn fossile Abhängigkeit ist nicht nur ein Klimaproblem. Sie schafft geopolitische Abhängigkeiten und steht im begründeten Verdacht, autoritäre Regime und Kriege mitzufinanzieren. Darum geht es bei der Energiewende auch um Frieden und Freiheit. Der Begriff „Friedensenergien“, den Michael Blume geprägt hat, bringt diesen Zusammenhang auf den Punkt: Sonne, Wind und Wasser kennen keine geopolitischen Monopole. Erneuerbare Energien können unsere Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen verringern und damit einen Beitrag zu Frieden, Sicherheit und Freiheit leisten.
Papst Leo XIV. erinnert 2026 in seiner Botschaft zum heutigen Weltgebetstag an die Vision des Propheten Jesaja: „Sie schmieden ihre Schwerter zu Pflugscharen.“ Diese Vision ist hochaktuell: Aus Zerstörung soll Leben entstehen. Aus Waffen sollen Werkzeuge für eine gute Zukunft werden. Aus fossilen Abhängigkeiten Energien für den Frieden.
Klimaschutz gelingt nicht gegen die Menschen, sondern nur mit ihnen. Sorgen müssen ernst genommen, Veränderungen verständlich gemacht und konkrete Wege zu einem guten Leben aufgezeigt werden. Gerade hier können Kirchen einen wichtigen Beitrag leisten: Menschen zusammenbringen, Hoffnung stärken und dazu ermutigen, gemeinsam konkret Verantwortung zu übernehmen.
Auch wir selbst können Vieles beitragen: Energie sparen, erneuerbare Energie nutzen, Mobilität und Konsum bewusster gestalten, Lebensmittel wertschätzen und Wasser und Boden schützen. Ebenso wichtig ist es, unsere Stimme für politische Entscheidungen zu erheben, die das Gemeinwohl und die Zukunft kommender Generationen in den Mittelpunkt stellen.
Dafür brauchen wir Solidarität: zwischen Jung und Alt, zwischen Stadt und Land, mit unseren Bäuerinnen und Bauern, in Kärnten und weltweit mit jenen Menschen, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben und dennoch am stärksten unter ihren Folgen leiden.
Das ökumenische Leitwort 2026 lautet „Lebendige Wasser“. Wasser ist Leben. Es erinnert uns daran, was wir bewahren müssen – und daran, dass Erneuerung möglich ist.
Wir wollen nicht der Angst das letzte Wort überlassen.
Schauen wir hin. Nehmen wir die Erkenntnisse der Klimawissenschaften ernst.
Handeln wir entschlossen. Setzen wir auf Friedensenergien. Stehen wir füreinander ein.
Tun wir selbst entschiedener, wovon wir in unseren Kirchen schon so lange sprechen: Schützen wir die Schöpfung, stärken wir Nachhaltigkeit und machen wir Klimaschutz in unserem eigenen Handeln sichtbar.
Lydia Buchhardt, Hans Kirchmeir, Herwig Sturm, Gerfried Wagner, Ulrike Wöhlert - Umweltteam der Evangelischen Superintendentur A.B. Kärnten /Osttirol
Harald Jost, Referat für Schöpfungsverantwortung-Katholische Kirche Kärnten, Pfarrer Hans Peter Premur, Bischofsvikar für Schöpfungsverantwortung, Migration und Interreligiösen Dialog
