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Schöpfungsverantwortung ist Kernauftrag der Kirche

Tainach/Tinje, Kärnten (28.10.) Kirchliche Umweltarbeit braucht klare Ziele, entschlossenes Handeln und eine starke gesellschaftliche Allianz. Darin waren sich die Umweltbeauftragten der österreichischen Diözesen bei ihrer Konferenz im Bildungshaus Sodalitas in Tainach/Tinje einig. Im Mittelpunkt standen die Zukunft der kirchlichen Umweltarbeit, der Entwurf zum neuen österreichische Klimagesetz und die Frage, wie Kirche ihre Verantwortung für die Schöpfung konkret und wirksam wahrnehmen kann. Ein besonderer Höhepunkt war das Online-Gespräch mit Bischof Hermann Glettler, dem neuen Umweltbischof der Österreichischen Bischofskonferenz.

Bischof Glettler: Kirche muss beim Klimaschutz klar Stellung beziehen

Welche Wirkung erzielt kirchliche Umweltarbeit? Wie erreichen wir die Pfarren, wie die Zivilgesellschaft? Und welche Unterstützung braucht es von der Bischofskonferenz? Mit diesen Fragen brachte Bischof Hermann Glettler die zentralen Herausforderungen auf den Punkt.

Er unterstrich die Dringlichkeit der Schöpfungsverantwortung und betonte, dass die Kirche beim Klimaschutz sichtbar und hörbar Position beziehen müsse – auch gegen Widerstände. Gefragt seien glaubwürdiges ökologisches Handeln im eigenen Bereich als Unternehmen, klare öffentliche Stellungnahmen und neue Kooperationen mit zivilgesellschaftlichen Akteur:innen.

Gemeinsame Leitlinien für wirksame Umweltarbeit

Wie die Klimaschutzziele der Katholischen Kirche österreichweit umgesetzt werden, unterscheidet sich zwischen den Diözesen erheblich. Die Umweltbeauftragten berichteten von unterschiedlichen Rahmenbedingungen, Widerständen und Unsicherheiten hinsichtlich ihrer Aufgaben und der verfügbaren Unterstützung.

Benötigt werden daher aktualisierte Leitlinien, die Orientierung und Verbindlichkeit schaffen. Sie sollen die Umsetzung der Enzyklika Laudato si’ unterstützen und technische Klimaschutzmaßnahmen mit Bildungsarbeit, klaren Zuständigkeiten und diözesanen Leitbildern verbinden. Bischof Glettler regte an, einen gemeinsames Leitfbild bis zum Frühjahrstreffen der Bischofskonferenz zu erarbeiten.

Schöpfungsverantwortung gehört auch in die Liturgie

Kirchliche Umweltarbeit ist nicht nur eine technische und politische Aufgabe, sondern auch eine zentrale Frage des Glaubens. Neben konkreten Maßnahmen braucht es Bildungsarbeit und eine spirituelle Vertiefung der Schöpfungsverantwortung.

Besondere Chancen bietet die Liturgie: Das Kirchenjahr und seine Feste können ökologische Herausforderungen aufgreifen und die Verantwortung für die Schöpfung im Glauben erfahrbar machen. Bischof Glettler ermutigte dazu, zeitgemäße Formen ökologisch sensibler liturgischer Feiern weiter zu entwickeln.

Als spirituelle Anregung empfahl er das Buch On Earth as in Heaven von Patriarch Bartholomäus.

Neues Klimagesetz: Verbindlichkeit statt Aufschieben

Ein weiterer Schwerpunkt der Konferenz war der Entwurf des neuen österreichischen Klimagesetzes. Die Umweltbeauftragten beschlossen, die Stellungnahme von Scientists for Future Österreich vollinhaltlich zu unterstützen.

Für die kirchlichen Umweltbeauftragten ist Klimaschutz untrennbar mit sozialer, globaler und generationenübergreifender Gerechtigkeit verbunden. Die Folgen der Klimakrise treffen weltweit besonders jene Menschen, die am wenigsten zur Verursachung beitragen. Zugleich gilt es, die Lasten und Chancen des ökologischen Wandels innerhalb Österreichs fair zu verteilen und die Lebensgrundlagen kommender Generationen zu sichern.

Dafür braucht es verbindliche Klimaziele, wirksame Maßnahmen und klar geregelte Verantwortlichkeiten. Die Umweltbeauftragten sprechen sich für rechtlich verbindliche und einklagbare Klimaziele aus, deren Einhaltung überprüft und deren Umsetzung eingefordert werden kann.

Mit ihrer Unterstützung der Stellungnahme von Scientists for Future Österreich setzen sie ein klares Zeichen für eine Klimapolitik, die Verantwortung nicht aufschiebt, Zuständigkeiten eindeutig regelt und die Rechte kommender Generationen ernst nimmt.

Weiterführende Informationen: Siehe unten

Kirchliche Räume als Orte für Klimaschutz und Begegnung

Wie können Kirchengebäude, Gärten und Freiflächen angesichts des Klimawandels zu wertvollen Orten für Mensch und Umwelt werden? Dieser Frage widmete sich eine Abendeinheit mit Marie-Therese Fallast und Stefan Guggenberger. Sie stellten das in Kärnten angesiedelte Sondierungsprojekt REFUGIUM vor, das neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Kirche und weiteren gesellschaftlichen Akteur:innen erprobt. Im Mittelpunkt steht die nachhaltige Entwicklung kirchlicher Quartiere in vier Handlungsfeldern:

  • Nachhaltige Energie, Biodiversität und kühle Orte, Nachhaltige Mobilität,Nachhaltige soziale Quartiersentwicklung

Am Projekt beteiligt sind die Caritas Kärnten, die Fachhochschule Kärnten, der Verein REFUGIUM, die Fallast GmbH und IPAK Klagenfurt. Das Projekt wurde vor Kurzem mit dem Primus 4 Public Award ausgezeichnet.

Im anschließenden Austausch diskutierten die Vortragenden gemeinsam mit den Umweltbeauftragten sowie Vertreter:innen aus den Kärntner Städten St. Veit an der Glan und Bleiburg konkrete Umsetzungsmöglichkeiten vor Ort.

Das Sondierungsprojekt läuft bis Juli 2027. Bis dahin sollen für vier kirchliche Standorte in Klagenfurt maßgeschneiderte Konzepte zur nachhaltigen Entwicklung kirchlicher Quartiere entstehen. Damit rücken kirchliche Räume als wichtige Ressourcen für die Zukunft in den Blick: Sie können zur Klimawandelanpassung beitragen, Lebensräume für Tiere und Pflanzen schaffen, an heißen Tagen Abkühlung bieten und Begegnung sowie sozialen Zusammenhalt fördern. REFUGIUM zeigt, wie dieses Potenzial durch Kooperation und innovative Konzepte erschlossen werden kann.

Gemeinsam Verantwortung für kommende Generationen übernehmen

Die Konferenz in Tainach/Tinje machte deutlich: Kirchliche Schöpfungsverantwortung braucht eine klare politische Haltung, spirituelle Tiefe und konkrete Maßnahmen. Gemeinsame Ziele, verlässliche Rahmenbedingungen und starke Partnerschaften sind entscheidend, damit aus dem Anspruch wirksames Handeln wird.

Der Auftrag ist klar: Die Katholische Kirche Österreichs will Schöpfungsverantwortung sichtbar leben, Menschen zum Handeln ermutigen und gemeinsam mit gesellschaftlichen Partnern an einer gerechten und lebenswerten Zukunft für alle Generationen innerhalb der planetaren Grenzen arbeiten.

Zur Stellungnahme von Scientists for Future Österreich: „Das neue Klimagesetz – eine einzige Mogelpackung“

Zur offiziellen Stellungnahme im österreichischen Parlament – hier kann die Stellungnahme auch unterstützt werden